BERN Ein Gespräch mit dem Schweizer Thriller Autor Peter Beck über seinen rasanten Thriller Söldner des Geldes.

 

Wie kommst du als Schweizer dazu einen internationalen Thriller zu schreiben?

Ich schreibe, was ich selber gerne lese. Seit Jahrzehnten verschlinge ich in der Badewanne einen Thriller nach dem anderen.

Und warum nicht? Die Hauptfigur Tom Winter ist Sicherheits-Chef einer Schweizer Privatbank - da liegt der Stoff vor der Tür! In der Bankenwelt gibt es gute Bösewichte. Die Schweizer machen hinter den beschaulichen Kulissen schliesslich knallharte Geschäfte.

 

Aber warum gerade einen derart rasanten Thriller?

Für gute Unterhaltung braucht es einfach Speed und am Ende der Kapitel einen Cliffhanger. Die Leser müssen blutige Fingernägel haben.

 

Schweizer Thriller mit Speed

Es geht um Infrastrukturen?

Ja, wir sind alle abhängig vom Finanzsystem, dem Internet, aber auch von Atomkraftwerken. Wir nutzen diese, aber wissen meist nicht, wer alles dahinter steht. Wer die Infrastrukturen kontrolliert, hat grosse Macht.

 

Wie bist Du auf die Schauplätze gekommen?

Ich war an fast allen Schauplätzen. Das ist gut für die Beschreibung des Milieus. Für Ägypten habe ich mich entschieden, weil ich wollte, dass es knistert. In Kairo trifft Winter dann auch auf die geheimnisvolle Geschäftsfrau Fatima. Sie spannen für die Jagd zusammen und kommen sich auch sonst näher.

Und Boston ist eine tolle Stadt. Die Wall Street in New York war mir zu plump. Söldner des Geldes ist eine atemberaubende Jagd durch den globalen Finanzdschungel.

Das Geld bewegt sich schnell und lässt sich nicht von Landesgrenzen oder Gesetzen aufhalten.

Ein grosser Teil von Söldner des Geldes spielt aber in der Schweiz: Zürich, Bern, in der Innerschweiz, aber auch am Genfersee und im Jura. Als Berner habe ich das Finale im schönen Berner Oberlandes angesiedelt. Da sind wir Top of Europe.

 

Wie bist Du auf den Titelhelden Tom Winter gekommen?

Das war eine lange Entwicklung. Ich wollte eine unverbrauchte Hauptfigur, nicht irgend-einen Inspektor oder einen Privatdetektiv. Tom Winter entstand in meinem Kopf wie eine Knetfigur aus Lehm.

Die Hauptfigur ist sowohl schweizerisch als auch weltoffen. Der Name ‚Winter’ steht für die Schweiz. Da Winters Bank aber Kunden auf der ganzen Welt hat, kann ich ihn überall hin schicken. Das macht Spass. Da ist Tom Winter fast so frei wie Jack Reacher, der Held von Lee Child.

 

Tom Winter - ein neuer Held?

Ganz wichtig war mir auch, dass Winter starke Werte hat. Er tut das Richtige und ist ein Mann der überlegten Tat. Bevor er in Aktion tritt beobachtet er genau und hört gut zu. Auch im richtigen Leben erzählen einem die Menschen viel, wenn man gut zuhört.

Erst nachdem ich die Knetfigur x Mal eingestampft hatte, war Tom Winter geboren: wortkarg, schlagkräftig und mit trockenem Humor, aber auch mit Sehnsucht nach Intimität und Ruhe.

Ich habe eine kleine Umfrage gemacht und die zeigt, dass die Leser sich mit Tom Winter identifizieren.

 

Basiert Tom Winter auf einer realen Person?

Nein, nein Tom Winter ist ein erfundener Charakter. Er ist aber kein idealer Held sondern sehr handfest. Er hat zudem eine dunkle Vergangenheit. Und manchmal weiss auch er nicht so recht, was er machen soll.

 

Was steckt von Dir persönlich in Tom Winter?

Eigentlich kommen mir nur zwei Sachen in den Sinn. Das sportliche. Ich habe selber Judo gemacht und es mit Fleiss bis zum ersten Dan (schwarzer Gürtel) gebracht. Und Tom Winter muss ich in der Bank mit Machtintrigen herumschlagen. Ich selber arbeite schon lange in der Wirtschaft, war in der Geschäftsleitung eines grösseren Unternehmens und in mehreren Verwaltungsräten.

Da habe ich Manager erlebt, die... - sagen wir es einmal so: deren ethische Standards von der Mehrheit der Bevölkerung als unterdurchschnittlich bezeichnet würden. Beim Rest bin ich mir nicht sicher. Wahrscheinlich schrieb da das Unterbewusstsein mit. Ich habe zwar in Psychologie doktoriert, aber ich bin nicht psychoanalytisch veranlagt.

 

Was hat Dich bewogen, einen Thriller zu schreiben?

Seit meiner Kindheit lese ich Krimis. Nach einem langen Tag oder in den Ferien will ich einfach abschalten. Und manchmal habe ich gedacht ‚Das kann ich auch!’.

 

Schweizer Thriller Autor

Als ich mich dann selbständig machte und noch nicht so gut ausgelastet war, musste es einfach machen.

Am Anfang war es eine Reise ins Ungewisse, aber meine Testleser haben mir geholfen, den Thriller mit jeder Version explosiver zu machen. Jetzt ist es ein gutes Gefühl Söldner des Geldes in den Händen zu halten.

 

Wie hast Du das Buch recherchiert?

Die meisten Schauplätze habe ich wie gesagt selber bereist. Bei den Details, beispiels-weise den Waffen, hat das Internet geholfen. Auch die Nahkampferfahrung aus dem Judo ist eingeflossen. Und bei der Arbeit erlebe ich immer wieder ‚Bürogefechte’.

 

Welche Bücher liest Du selbst?

Mein Lieblingsautor ist le Carré. Der lebte übrigens selber einmal in Bern und hat einige Szenen hier angesiedelt.

Natürlich habe ich all die üblichen Verdächtigen gelesen: Lee Child, John Grisham, Ian Rankin, Denise Mina oder Mark Gimenez und Stuart MacBride. Aber auch die Nordländer inspirieren mich: Mankell, Stig Larsson, Jo Nesbo oder Adler Olsen. Aber warum nicht einmal einen Schweizer Thriller im Deutschen Original lesen?

 

Was machst Du, wenn Du nicht am schreiben bist?

Etwa einen Drittel der Zeit schlafe ich, ansonsten verfolge ich meine Projekte. Beruflich helfe ich Firmen beim Verbessern ihrer Unternehmenskultur. Wenn die Kultur stimmt, dann arbeiten die Leute gern, gut und produktiv. Als Chef muss man Kosten und Klima unter einen Hut bringen.

Ich selbst habe das Glück mein eigener Chef zu sein. Daneben mache ich Sport oder schreibe. Und jedes Jahr versuche ich zu reisen. Letztes Jahr waren wir auf den Azoren, da schläft man auf aktiven Vulkanen

 

Das Buch beginnt mit einem verkohlten Araber? Ist das nicht rassistisch?

Nein, ich versuche ohne Vorurteile, in Schattierungen zu schreiben. Alle Extremisten sind mir ein Graus – egal aus welcher Ecke sie kommen.

 

Gibt es bald eine Fortsetzung? Einen zweiten Tom Winter Thriller?

Vielleicht. Tom Winter kommt gut an, und ich hätte schon Lust einen weiteren Schweizer Thriller zu schreiben. Aber ich muss auch an meine Rechnungen denken.

 

Was heisst das konkret?

Ich habe Ideen skizziert. Doch Markt Twain soll gesagt haben: „Es ist idiotisch monatelang an einem Buch zu schreiben, wenn man es in jedem Buchladen kaufen kann.“