Frage: Wird Tom Winter eigentlich mit jedem Band der Reihe etwas älter?

Antwort: Ja, ein wenig. Aber Winter ist noch lange nicht im Altersheim, sondern immer noch Sicherheitschef einer diskreten Schweizer Privatbank und hat immer noch einen cholerischen Chef. Vielleicht ist Winter im dritten Band ein wenig reifer, etwas abgeklärter geworden. Wenn ich darüber nachdenke, ist DIE SPUR DES GELDES auch etwas atmosphärischer. 

 

F: Es hat keine Action mehr?

A: Doch, doch. Selbstverständlich gibt es noch handgreifliche Auseinandersetzungen. Aber ich wollte das Etikett von Winter als ‚Schweizer James Bond‘ nicht zementieren. Man muss die Leser immer wieder überraschen. Ich selber lese viele Thriller und habe Mühe mit Geschichten, die mit Leichen zugepflastert sind und nur vorankommen, weil es alle 50 Seiten eine neue Leiche gibt. Ich liebe zum Beispiel die Thriller von Michael Connelly, der mich inspiriert hat, die Geschichte wie eine russische Babuschka-Puppen aufzubauen. Kaum ist man in der ersten Geschichte drin, taucht darin eine weitere Geschichte auf, die dem Ganzen eine überraschende Wendung gibt. Und darin kommt dann wieder eine andere Geschichte vor, etcetera.

 

F: Kannst Du mittlerweile vom Bücherschreiben leben?

A: Schön wär’s! 99% aller Krimiautoren beuten sich selber aus. Ich schreibe, weil es mir Spaß macht.  Es hilft, dass der Londoner Verlag Oneworld die Reihe nun auf Englisch herausgibt. Die Übersetzung von Band eins, SÖLDNER DES GELDES, kam 2018 unter dem Titel DAMNATION als Hard-, Paperback und Hörbuch heraus. Es ist ein wirklich schönes Gefühl, Leserinnen und Leser in Australien, U.K., Amerika, Canada und Ländern wie Indien zu haben. Und das ungekürzte Hörbuch von Brilliance Audio war eine coole Zugabe. Wenn ein Profischauspieler wie David De Vries einem seine eigene Geschichte auf Englisch vorliest, ist das eine surreale Erfahrung. Doch wenn ich all die Arbeitsstunden addiere, komme ich nach wie vor nur auf einen Stundenlohn im tiefen einstelligen Bereich.

 

F: DIE SPUR DES GELDES ist wieder ein internationaler Thriller. Wohin werden deine Leserinnen und Leser diesmal entführt?

A: Zu Beginn erhält Winter eine Routineanfrage vom LKA Berlin. Weil er die Stadt an der Spree liebt, nimmt er die LKA-Anfrage als Vorwand, um schnell nach Berlin zu fliegen. Danach geht es nach London, München, Istanbul, Krasnodar und Noworossijsk am Schwarzen Meer, von wo aus Russland heute die Krim versorgt.  DIE SPUR DES GELDES wurde so phasenweise zu einem Roadmovie, wo man nie weiss, was einem hinter der nächsten Ecke, respektive Kurve erwartet. Winters Gegenspieler ist diesmal ein steinreicher Oligarch aus dem Kaukasus, der in der Schweiz an bester Lage am Vierwaldstättersee mit eine paar Koffern voller Bargeld eine Villa gekauft hat.

 

F: Je besser der Bösewicht, desto besser der Held?

A: Genau. Mich hat die Frage interessiert, wie nach 9/11 die nächste Stufe des Terrors aussehen könnte. Was würde geschehen, wenn jemand, der in unserer Gesellschaft angesehen ist und über praktisch unbeschränkte Ressourcen verfügt, einen Terroranschlag verüben will. Als Sicherheitschef ist Winter ein wenig paranoid. Das muss er auch sein, um seinen Job machen zu können. Als er genauer hinschaut beginnt in seinem Hinterkopf eine furchtbare Ahnung zu keimen. Die Ahnung lässt ihn nicht mehr los. Aber was nicht sein darf, darf nicht sein. Als ihn die Kollegen für verrückt halten, verbeisst er sich erst recht.

Im Gegensatz zu den Populisten und Nationalisten, die in letzter Zeit ja leider mit ihren Fake-News im Aufwind waren, ist es meine Aufgabe als Autor fantasievolle Geschichten zu erfinden. Wobei ich natürlich hoffe, dass die düstere Fiktion in DIE SPUR DES GELDES niemals wahr wird.

 

F: Welche Rolle spielt das Internet?

A: All die -isten leben von Lügen und Halbwahrheiten, Fakten spielen für sie keine Rolle. Das Internet hilft ihnen, diese zu verbreiten.

Aber zum Netz habe ich eine zwiespältige Haltung. Als Autor brauche ich es für Recherchen. Und der Online-Duden ist einfach praktisch.

Doch manchmal habe ich das Gefühl, dass man ohne Facebook & Co im Buchmarkt überhaupt nicht existiert. Ich ertappe mich immer wieder, wie ich damit Zeit verschwende.

Aber manchmal ist es auch witzig. Einmal habe ich eine Freundschaftsanfrage von einem russischen Söldner erhalten, der auf seinem Profilbild mit nacktem Oberkörper und Maschinengewehr posierte. Ganz im Stile von Putin. Der hat wahrscheinlich ‘Söldner’ und ‘Geld’ gegoogelt.

 

F: Was steckt hinter dem Titel?

A: Der Worttitel war eine Zangengeburt. Der endgültige Entscheid liegt ja nicht bei mir, sondern beim Verlag, der mich glücklicherweise mit einbezieht. Mit dem ‘Geld’ im Titel kommt die Einmaligkeit von Winter zum Ausdruck. In der Krimilandschaft gibt es tausend Kommissare, aber nur einen Sicherheitschef einer Bank. Für mich als Autor ist diese Rolle ideal, denn ich kann Winter überall hinschicken, geographisch, aber auch thematisch.

Die ‘Spur’ beginnt im dritten Band zuerst ganz harmlos, mit einer an sich einfachen Routineanfrage des Berliner LKA zu einem dubiosen Konto bei Winters Bank. Als Sicherheitschef sieht Winter, wo das Geld herkam. Aufgrund seiner Rolle hat Winter eine ganz spezielle Perspektive. Er ist loyal zur Bank, hat aber auch einen starken moralischen Kompass. Die Dilemmas sind also vorprogrammiert. 

 

F: Kannst Du uns an dieser Stelle etwas zur Geschichte verraten?

Ja, am Ende von KORROSION ist Winter im Tierheim und dabei, eine Katze mit Namen Sheriff zu adoptieren. Da erhält er einen Anruf mit einem neuen Fall und muss gehen. Die Leserinnen und Leser, die mich gefragt haben, ob die Katze im dritten Band ein neues Heim findet, kann ich hier schon mal beruhigen.

 

F: Was liest Du als Autor? 

A: Wenn ich vor meinem Büchergestell stehe, dann sehe ich Krimis und Thriller von Denise Mina, Tana French, Ian Rankin, William McIlvanney Stuart McBride, Stig Larsson, Tom Rob Smith, Mike Herron, Philip Kerr, Jo Nesbø, Michael Connelly, Lee Child, John Grisham, einem meiner Liebling John le Carréund viele, viele mehr. Und natürlich alle Thriller von Mark Gimenez (The Colour of Law), der DAMNATION kürzlich gelesen hat und «A terrific thriller! Smart and savvy.» genannt hat.

 

F: Und wann kommt der vierte Band?

A: An dieser Stelle sage ich jeweils: Der nächste Winter kommt bestimmt. Wobei im Zeitalter der schmelzenden Gletscher und des Klimawandels auch das ja nicht mehr ganz sicher ist.

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Söldner des Geldes

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